Management der Auswirkungen, Risiken und Chancen
E5-1 – Konzepte im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
adidas regelt Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette durch Richtlinien, Leitfäden und Standardarbeitsanweisungen (Standard Operating Procedures – SOPs). Diese Konzepte verankern unsere Strategie im Unternehmen und stellen sicher, dass wir die Organisation in Richtung einer geringeren Umweltbelastung lenken. Unsere wichtigsten Ressourcenzuflüsse werden durch materialspezifische SOPs und durch Leitfäden für die Produktherstellung geregelt. Unsere oberste Priorität ist es, unsere Abhängigkeit von neuen, fossilen Materialien zu verringern, indem wir den Anteil an recycelten und erneuerbaren Materialien aus nachhaltiger Beschaffung erhöhen.1 Ressourcenabflüsse und Abfälle werden ebenfalls durch eine Reihe von Konzepten und Leitfäden abgedeckt, die von unseren Herstellern umgesetzt werden (da die meisten Auswirkungen in der vorgelagerten Wertschöpfungskette entstehen). Leitfäden für das Design von kreislauffähigen Produkten und für das Ende der Produktlebensdauer befinden sich jedoch noch in der Entwicklung. Dies ist auf einen Mangel an Technologien und Infrastrukturen zurückzuführen, die eine effektive Sortierung, Vorverarbeitung und Wiederverwertung verschiedener Produkttypen in großem Maßstab ermöglichen. Daher konzentrieren wir unsere Arbeit im Bereich der Kreislaufwirtschaft derzeit auf das Verständnis des gesamten Ökosystems, das erforderlich ist, um den Übergang von einer linearen zu einer zirkulären Wertschöpfungskette zu ermöglichen. SIEHE ESRS E5-2 – MASSNAHMEN UND MITTEL IM ZUSAMMENHANG MIT RESSOURCENNUTZUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT
Konzepte1 |
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Inhalt |
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Umfang |
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Verantwortlichkeit auf höherer Ebene |
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Standards/ |
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Stakeholderberücksichtigung |
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Verfügbarkeit |
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Positionspapier zur Kreislaufwirtschaft |
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Bietet eine langfristige Vision und einen Rahmen und legt die Prioritäten für das Engagement fest. |
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Gesamte Wertschöpfungskette |
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SVP |
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UNEP und Ellen MacArthur Foundation |
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n.a. |
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Verfügbar für alle |
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Standardarbeitsanweisung (SOP) zur Definition nachhaltiger Inhaltsstoffe |
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Legt den Rahmen für nachhaltige Inhaltsstoffe für adidas Produkte fest und beschreibt den Lebenszyklus sowie die Rollen und Verantwortungsbereiche. |
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Gesamte Wertschöpfungskette |
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SVP Product Development & Sourcing |
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Preferred Fiber and Materials Matrix von Textile Exchange |
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n.a. |
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Verfügbar für alle |
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Standardarbeitsanweisungen (SOPs) zu verantwortungsvoll beschafften Materialien |
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Umfasst eine Reihe von SOPs für Kunststoffe, Naturkautschuk, Baumwolle, künstliche Zellulosefasern und Materialien tierischen Ursprungs. Formuliert die Absicht, recycelte und verantwortungsvoll beschaffte Materialien zu verwenden, wo technisch möglich, und definiert Zertifizierungsanforderungen und Governance-Rahmen. |
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Vorgelagert (Tier-1- und Tier-2 Zulieferer) |
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SVP Product Development & Sourcing |
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Standards von Textile Exchange: Global Recycling Standard, Recycled Content Standards, Forest Stewardship Council, Better Cotton, Global Organic Textile Standard, Organic Content Standards, US Cotton Trust Protocol |
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n.a. |
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Verfügbar für alle Beschäftigten |
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Standard für Materialien tierischen Ursprungs |
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Legt die Anforderungen für die Beschaffung von aus Tieren gewonnenen Materialien fest und schließt die Beschaffung von gefährdeten oder bedrohten Arten aus. |
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Vorgelagert |
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SVP Sustainability and ESG |
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Weltorganisation für Tiergesundheit, IUCN, Leather Working Group, ‚Materials Matter Standard‘ von Textile Exchange |
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n.a. |
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Verfügbar auf der Unternehmenswebsite |
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Umweltrichtlinien |
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Beschreibt Möglichkeiten zur Prävention von Umweltverschmutzung, zum Management und zur Kontrolle von Umweltauswirkungen sowie zur Vermeidung der Erschöpfung natürlicher Ressourcen; umfasst Abfallmanagement. |
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Vorgelagert (Tier-1- und Tier-2-Zulieferer) |
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SVP Product Development & Sourcing |
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n.a. |
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adidas Zulieferer |
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Verfügbar auf der Unternehmenswebsite |
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Richtlinien zum Abfallmanagement |
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Definieren einen Abfallmanagementprozess, der Umweltverschmutzung und die Erschöpfung nicht erneuerbarer Ressourcen verhindern soll; umfasst auch damit verbundene Ziele und Vorgaben; gibt Zulieferern Anleitung bei der Auswahl von Partnern und Technologien für die Energieverwertung von Abfall, um die Vorgaben zu erfüllen. |
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Vorgelagert (Tier-1- und Tier-2-Zulieferer) |
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SVP Product Development & Sourcing |
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Verweis auf Abfallrahmenrichtlinie der EU |
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n.a. |
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Direkt mit Zulieferern geteilt |
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In Zukunft werden wir unseren Ansatz zur Kreislaufwirtschaft und Ressourcennutzung weiterhin anpassen, erweitern und konkretisieren. Unser Ansatz basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, wird aber auch von immer präziser und konkreter werdenden Industriestandards und regulatorischen Anforderungen beeinflusst werden, insbesondere innerhalb der EU und im Zusammenhang mit der EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien. Wir gehen davon aus, dass diese regulatorischen Anforderungen in den kommenden Jahren klarer werden, was dazu beitragen wird, einige der Unklarheiten in unserer Branche zu beseitigen und Mindeststandards festzulegen, die von jeder Marke und jedem Marktteilnehmer eingehalten werden müssen.
E5-2 – Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
Unsere Maßnahmen im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft stehen im Einklang mit unserem Positionspapier zur Kreislaufwirtschaft. Zur Koordination und Überwachung unserer Maßnahmen stützen wir uns auf interne Ressourcen (hauptsächlich aus dem Sustainability-and-ESG-Team). Die Themenverantwortlichen und die Teams, die die Maßnahmen umsetzen, überwachen deren Wirksamkeit. Sofern nicht anders angegeben, sind alle Maßnahmen fortlaufend. Siehe ESRS E5-3 – Ziele im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
Strategie zur Kreislaufwirtschaft und Nutzung von Ressourcen
Im Jahr 2025 haben wir unser Positionspapier zur Kreislaufwirtschaft veröffentlicht, in dem unsere aktualisierte Strategie beschrieben ist. Es spiegelt unseren aktuellen Stand, die von uns ergriffenen Maßnahmen und die Richtung wider, in die wir uns bewegen. Wir sind uns bewusst, dass sich sowohl unsere internen Fähigkeiten als auch das externe Umfeld, einschließlich Vorschriften, Infrastruktur und Konsumentenerwartungen, rasch weiterentwickeln. Daher ist dieses Papier kein statisches Dokument, sondern ein lebendiges Rahmenwerk, das im Zuge der Weiterentwicklung unserer Kreislaufwirtschaftspraktiken überarbeitet und gefestigt wird. Wir sind überzeugt, dass die interne Kommunikation unseres Positionspapiers die Grundlage für die Integration der Kreislaufwirtschaft in unsere gesamte Wertschöpfungskette und für die Steuerung unseres Übergangs von einem linearen zu einem kreislaufwirtschaftlichen Ökosystem bildet.
Digitale Befähigung: Um die Einhaltung sich ändernder Vorschriften zu gewährleisten und eine nachhaltige Produktentwicklung zu ermöglichen, haben wir weiter in die Stärkung unserer Compliance-Fähigkeit im Bereich ESG sowie in die Erschließung von Technologien zur Rückverfolgbarkeit investiert. Diese weltweit implementierten digitalen Lösungen verbessern die Transparenz und Genauigkeit von Material- und Produktdaten und unterstützen sowohl die interne Entscheidungsfindung als auch die externen Berichtsanforderungen.
Übergang zu recyceltem Polyester: Polyester ist das am häufigsten verwendete Material in unserem Materialportfolio, daher ist der Übergang zu recyceltem Polyester ein wichtiger Hebel, um unsere Auswirkungen auf die Ressourcennutzung zu reduzieren. Bis 2023 hatten wir bereits einen Anteil von 99 % recyceltem Polyester in unseren Produkten (ohne Besätze) erreicht. Damit waren wir unserem Ziel, sämtlichen neu hergestellten Polyester durch recycelten Polyester zu ersetzen, soweit dies technisch machbar ist, sehr nahe gekommen. Daher haben wir uns im Jahr 2024 das Ziel gesetzt, bis 2030 10 % unseres Polyestervolumens aus recycelten Textilabfällen zu gewinnen, was unser Bestreben, den Wandel in der Branche voranzutreiben, bekräftigt. Im Jahr 2025 haben wir eine Strategie zur Einführung von Textil-zu-Textil-recyceltem Polyester für die Saisons ab 2026 entwickelt.
Beschaffung von zertifizierter Baumwolle: Seit Ende 2018 stammt die von uns verwendete Baumwolle zu 100 % aus zertifizierten Quellen. Dazu zählen Bio-Baumwolle, recycelte Baumwolle sowie andere von Dritten zertifizierte Baumwolle. Wir arbeiten mit wichtigen Zulieferern zusammen, um die Verwendung von mechanisch recycelter Baumwolle aus unseren eigenen postindustriellen Materialabfällen zu erhöhen. Unsere 2025 verabschiedete Standardarbeitsanweisung für verantwortungsvoll beschaffte Baumwolle formuliert unsere Erwartungen hinsichtlich der Beschaffung und bewertet die ökologischen und sozialen Auswirkungen. SIEHE ESRS E4-3 –Massnahmen und ressourcen in bezug auf BIOdiversität UND ÖKOSYSTEME
Fortgesetzte Verwendung von recyceltem EVA und Kautschuk: Wir steigern weiterhin den Recyclinganteil in EVA- und Kautschukkomponenten und investieren gleichzeitig in alternative Materialien, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Insbesondere haben wir Post-Consumer-Gummiabfälle aus Frankreich getestet, um zu überprüfen, ob sie die für die Verwendung in unseren Produkten erforderlichen Leistungskriterien erfüllen. Wir verpflichten uns zur Beschaffung von zertifiziertem Naturkautschuk, der unseren Standards entspricht. Dies wird durch unsere neue Standardarbeitsanweisung für verantwortungsbewusst beschafften Naturkautschuk, die 2025 eingeführt wurde, unterstützt. SIEHE ESRS E4-3 – massnahmen und ressourcen in bezug auf biodiversität UND ÖKOSYSTEME
Materialien tierischen Ursprungs: Diese machten im Jahr 2025 5 % unserer gesamten Materialien aus. Das gesamte Leder, alle Daunen und die gesamte Wolle, die für unsere Produkte verwendet werden, sind nach den oben in der Richtlinientabelle aufgeführten anerkannten Standards zertifiziert. SIEHE ESRS E4-3 – massnahmen und ressourcen in bezug auf biodiversität UND ÖKOSYSTEME
Innovation: Wir erkunden weiterhin innovative Materialien, die die Umweltbelastung reduzieren, wobei wir uns insbesondere auf biobasierte Lösungen und Fortschritte bei Schuhmaterialien konzentrieren, die wir im Zuge von Kooperationsinitiativen anstreben. Unser Engagement für Innovationen im Schuhbereich hat uns dazu veranlasst, uns 2025 dem Projekt Next Stride von Fashion for Good (FFG) anzuschließen. Diese Partnerschaft zielt darauf ab, biobasierte Lösungen für unsere Schuhsohlen zu erforschen und damit den Weg für einen möglichen Übergang zu erneuerbaren Rohstoffalternativen für Schuhmaterialien zu ebnen.
Kreislaufwirtschaft
Bei adidas definieren wir Kreislaufwirtschaft als die Werterhaltung von Produkten und Materialien auf höchstem Niveau über einen möglichst langen Zeitraum. Diese Definition entspricht derjenigen des Berichts ‚Sustainability and Circularity in the Textile Value Chain – A Global Roadmap’ (‚Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der textilen Wertschöpfungskette – Ein globaler Fahrplan‘) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Durch die Festlegung klarer Vorgaben und die Anpassung an neue Vorschriften im Zusammenhang mit der EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien wollen wir kreislaufwirtschaftliche Praktiken in der Sportbekleidungsindustrie fördern, um die Umweltauswirkungen zu reduzieren und langfristige Nachhaltigkeit zu unterstützen.
Qualität und Langlebigkeit: Als Sportartikelunternehmen sind die Funktionalität und Qualität unserer Produkte für unseren Geschäftserfolg von entscheidender Bedeutung. Wir testen unsere Bekleidungsprodukte und Schuhe fortlaufend in den Produktentwicklungs- und Produktionsphasen und orientieren uns dabei an ISO-Standards und Prüfnormen wie DIN, GB, ASTM oder SATRA. Alle Produkte und jedes Material werden im Labor getestet, und die Funktionalität wird durch Athlet*innen überprüft. Wir stellen zudem eine gleichbleibende Produktionsqualität sicher, indem wir unseren Partnern ein Rahmenwerk an die Hand geben und die Einhaltung in jährlichen Audits überprüfen.
Recyclingfähigkeit: Im Rahmen der Initiative ‚Made To Be Remade‘ (MTBR) hat adidas Lösungen für das Ende der Lebensdauer einer speziellen Produktreihe entwickelt, mit dem Ziel, dass die Produktkomponenten nach ihrer Rückgabe zu etwas Neuem verarbeitet werden können. Das erste Produkt war der 2019 auf den Markt gekommene Laufschuh Futurecraft.Loop, der bis 2023 zu einer breiteren MTBR-Kollektion führte. Die Erfahrungen aus dieser Initiative haben uns gezeigt, dass eine effektive Kreislaufwirtschaft die Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfordert. Daher haben wir uns im Jahr 2025 auf die Unterstützung von Multi-Stakeholder-Initiativen konzentriert, die darauf abzielen, ein kreislaufwirtschaftliches Ökosystem für die Bekleidungs- und Schuhindustrie zu schaffen. Zu diesen Initiativen gehören insbesondere das Projekt T-REX und Industrieforschungsprojekte von FFG.
Kreislaufwirtschaftliches Ökosystem
Wir sind uns bewusst, dass die Verwirklichung einer Kreislaufwirtschaft einen systemischen Wandel und die Zusammenarbeit über die gesamte Branche hinweg erfordert. Im Jahr 2025 haben wir mehrere Multi-Stakeholder-Initiativen vorangetrieben:
Projekt T-REX erfolgreich abgeschlossen: T-REX ist ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt, dessen Ziel ein Entwurf dafür ist, wie textile Haushaltsabfälle in einem geschlossenen Kreislauf in ganz Europa sortiert und recycelt werden können. Die dreijährige Initiative unter der Leitung und Koordination von adidas brachte 13 wichtige Teilnehmer aus der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. Nach seinem erfolgreichen Abschluss lieferte das Projekt Erkenntnisse, die nun unsere Strategie zur Kreislaufwirtschaft und unser Engagement für die Branche prägen. Es zeigte die dringende Notwendigkeit einer integrierten Vorbehandlung und automatisierten Sortierung der Textilabfälle, um die Recyclingfähigkeit und die Qualität des Rohmaterials zu verbessern, sowie der Weiterentwicklung chemischer Recyclingtechnologien, um das Qualitätsniveau von Neuware zu erreichen. Das Projekt lieferte zudem klare, wissenschaftlich fundierte technische Designrichtlinien zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit, mit Schwerpunkt auf der Verwendung recyclebarer Hauptmaterialien und der Reduzierung von Teilen, die Verunreinigungen verursachen. Schließlich unterstrich eine techno-ökonomische Analyse die Notwendigkeit strengerer Richtlinien und Investitionen in eine bessere Infrastruktur, um das Textil-zu-Textil-Recycling in ganz Europa auszuweiten. Diese Erkenntnisse untermauern das Bestreben von adidas, einen systemischen Wandel in der Branche voranzutreiben. Mit Blick auf die Zukunft wird adidas mit zukünftigen Projekten und Kooperationen weiter auf den Erkenntnissen aus T-REX aufbauen und plant, eng mit Stakeholdern und der EU-Kommission zusammenzuarbeiten, um zukünftige Regulierungen zu prägen.
Durch unsere Partnerschaft mit der Innovationsplattform Fashion for Good tragen wir zur Entwicklung von Rahmenbedingungen und Leitlinien für die Förderung der Kreislaufwirtschaft in der Branche bei:
Ermöglichung der Rückverfolgbarkeit von Textilabfällen durch das auch von Textile Exchange mitgeleitete Projekt Tracing Textile Waste: Eine große Herausforderung bei der Skalierung der Verwendung von Textilabfällen für recycelte Inhaltsstoffe ist die mangelnde Rückverfolgbarkeit für Zertifizierungen wie den Global Recycled Standard (GRS) und den Recycled Content Standard (RCS). Derzeit erfolgt die Rückverfolgung von Textilabfällen manuell und fragmentiert, was zu Schwierigkeiten bei der Datenkonsolidierung und -weitergabe führt. Dieses Problem wird immer kritischer, da Marken und Regulierungsbehörden Transparenz fordern, um die Authentizität der Materialien sicherzustellen. Um die Datenerfassung und -weitergabe entlang der Lieferkette durch die Validierung eines neuen Formulars zur Deklaration von wiedergewonnenen Materialien (Reclaimed Material Declaration Form, RMDF) zu standardisieren, hat adidas an einem Projekt mit drei Pilotprojekten teilgenommen – zwei für postindustrielle Abfälle und eines für Produktionsabfälle. Diese Bemühungen führten zur Entwicklung und Einführung des RMDF für GRS- und RCS-Zertifizierungen2. adidas plant, das RMDF künftig für unsere recycelten Materialien zu verwenden, um die Herkunft und Art der Rohstoffe zu belegen.
adidas hat am Projekt Closing the Footwear Loop teilgenommen, das sich mit den systemischen Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft im Schuhsektor befasst. Das fortlaufende Projekt konzentriert sich auf die Überwindung von Hürden, die durch eine fragmentierte und begrenzte Sammel- und Recyclinginfrastruktur in der EU sowie das Fehlen harmonisierter Standards verursacht werden. Wir sind überzeugt, dass adidas durch die Teilnahme an diesem Projekt dazu beigetragen hat, Transparenz über die aktuellen Sortieraktivitäten für Altschuhe in der EU zu schaffen und durch gemeinsame Versuche zu End-of-Life-Prozessen und Wirkungsanalysen Branchenkenntnisse zu entwickeln. Die Ergebnisse dieses Projekts fließen in den Ansatz von adidas zur Kreislaufwirtschaft im Schuhbereich ein.
Das Projekt ReWear, an dem adidas als wichtiger Partner beteiligt war, wurde als Fortsetzung der Initiative Sorting for Circularity Europe erfolgreich abgeschlossen. Diese Phase konzentrierte sich auf die Ströme wiederverwendbarer3 Textilien und lieferte der Branche wichtige Erkenntnisse über die Wege von Produkten nach der Entsorgung durch die Konsument*innen. Das Projekt bildete den Zustand und potenzielle Enddestinationen für wiederverwendbare Textilien ab und analysierte die Rolle von Regulierungen und Infrastruktur zur Verbesserung des Textilienflusses in Wertschöpfungsketten, die auf Wiederverwendung von Produkten basieren.
Der Innovationsraum BIOTEXFUTURE, der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert und unter der gemeinsamen Leitung von adidas und der Technischen Hochschule RWTH Aachen stand, wurde im Dezember 2025 nach fünfjähriger Forschungstätigkeit zum Übergang von erdölbasierten zu biobasierten Textilien abgeschlossen. Durch die Teilnahme an zehn Projekten trug adidas zu den wichtigsten Materialinnovationen des Programms bei: einem leistungsstarken biobasierten Polyamid (PA 4.10) mit verbesserter Dehnbarkeit und Atmungsaktivität, einer PFAS-freien, wasserabweisenden Oberflächenbehandlung und einem biobasierten Isoliermaterial mit verbessertem Wärme-Gewichts-Verhältnis. Diese Innovationen werden derzeit in Kleidungsstücken und an Athlet*innen getestet und sollen künftig in adidas Produktreihen integriert werden.
adidas wirkt am Pilotprojekt Textile Loop im Rahmen von CIRPASS-2 unter der Leitung der Plattform atma.io von Avery Dennison mit, um die Einführung von digitalen Produktpässen (DPPs) in seiner Wertschöpfungskette voranzutreiben. Das Pilotprojekt umfasst die Erstellung eindeutiger digitaler IDs für Textilprodukte, deren Rückverfolgung durch nachgelagerte kreislaufwirtschaftliche Dienstleistungen für Sortierung und Recycling sowie die Ermöglichung des Datenaustausches zwischen allen relevanten Stakeholdern. Für adidas bietet dieses Engagement einen Rahmen, um die Einhaltung zu erwartender EU-Regularien zur Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) zu gewährleisten. Diese umfassen zusätzlich Anforderungen an DPPs, um die Transparenz in der Beschaffungskette zu verbessern, die Rückverfolgbarkeit von Materialien und Produktlebenszyklen zu erhöhen und skalierbarere Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen.
Im Jahr 2025 leistete adidas einen Beitrag zur Entwicklung des Global Circularity Protocol for Business (GCP), Version 1, unter der Leitung des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) sowie zu den Circular Transition Indicators (CTI) für die Modeindustrie. Diese Initiativen zielen darauf ab, eine wissenschaftlich fundierte, branchenübergreifende Methodik zur Messung, zum Vergleich und zur Offenlegung der Fortschritte bei Strategien zur Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Zusammen mit führenden Unternehmen aus verschiedenen Sektoren tragen wir durch unsere Teilnahme zur Gestaltung eines standardisierten Rahmens bei, der eine einheitlichere Bewertung von Materialflüssen, kreislaufwirtschaftlichen Geschäftsmodellen und Ressourceneffizienz ermöglicht. Dieses Engagement stärkt unsere Verpflichtung zu Transparenz und die Überzeugung, dass die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft harmonisierte Standards, einen wissenschaftlichen Ansatz sowie gemeinsames Handeln erfordert. Es positioniert das Unternehmen zudem als Vorreiter in Bezug auf harmonisierte Branchenpraktiken.
Kreislaufwirtschaftliche Dienstleistungen
Bei adidas sind wir davon überzeugt, dass kreislaufwirtschaftliche Geschäftsmodelle (Circular Business Models – CBMs) die Konsumentenbindung über den Verkauf hinaus stärken, die Lebensdauer von Produkten fördern und zu nachhaltigem Verhalten anregen. Aus früheren Pilotprojekten, wie z.B. Sneaker-Reinigung in unseren Geschäften oder Produktverleih- und Rücknahmeprogrammen aus den letzten zehn Jahren, haben wir gelernt, dass ein globaler Ansatz zu CBMs nicht praktikabel ist, da die Erwartungen der Konsument*innen und die kulturellen Einstellungen je nach Markt variieren. Wir optimieren daher unseren Ansatz zu kreislaufwirtschaftlichen Dienstleistungen, um uns auf wirkungsvolle Lösungen zu konzentrieren, die Abfall reduzieren und die Produktlebensdauer verlängern. Diese Erkenntnisse werden in einem internen Leitfaden zusammengefasst, den wir nutzen, um gemeinsam mit lokalen Teams maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Dieser dezentrale Ansatz hilft uns, relevant zu bleiben und erfolgreiche Initiativen skalieren zu können.
Abfallmanagement in der Beschaffungskette
Aufbauend auf den Fortschritten, die wir durch unsere globalen Bemühungen zur Abfallreduzierung erzielt haben, haben wir seit 2021 das Abfallentsorgungsmanagement in unserer gesamten Beschaffungskette weiter vorangetrieben. Im Jahr 2025 haben wir unseren Abfallentsorgungsprozess weiter gestärkt und z.B. Produktionsstätten zur Beauftragung zuverlässiger Abfallentsorgungsunternehmen geschult. Wir haben branchenübergreifend mit Partnern zusammengearbeitet, um Abfalltrennungspraktiken weiterzuentwickeln und die Datengenauigkeit in verschiedenen Abfallströmen zu verbessern.
Um Kreislaufwirtschaft in unserer Beschaffungskette zu fördern, haben wir unsere Richtlinie zum Abfallmanagement weiter überprüft und implementiert, um die Ausrichtung an den sich wandelnden Erwartungen der Branche sicherzustellen. Darüber hinaus haben wir die Zusammenarbeit mit Partnern in Regionen ausgebaut, in denen die Infrastruktur für Abfallwirtschaft noch in der Entwicklung ist. Dazu gehört unsere Teilnahme am Programm Circular Fashion Partnership (CFP) in Kambodscha und Indonesien unter der Leitung der Global Fashion Agenda. Das Programm bringt Marken, Hersteller und Recyclingunternehmen zusammen, um postindustrielle Textilabfälle in neue recycelte Materialien umzuwandeln. Diese Initiative zielt darauf ab, das Textilabfallmanagement in den Zulieferbetrieben zu verbessern, eine ordnungsgemäße Abfalltrennung für den Recyclingprozess zu unterstützen und die lokalen Recyclingsysteme zu stärken.
Im Jahr 2025 haben wir eine interne Konsultation mit ausgewählten Tier-1- und Tier-2-Zulieferern auf der Grundlage ihrer geografischen Lage durchgeführt, um mehr über die aktuellen Lücken und Herausforderungen beim Übergang von einem linearen zu einem zirkulären Abfallwirtschaftsmodell zu erfahren. Die durch diese Workshops gewonnenen Erkenntnisse und Ideen haben wertvolle Beiträge geliefert, die zur Gestaltung unserer strategischen Roadmap für 2030 beigetragen haben. Aufbauend auf den Erkenntnissen aus diesen Workshops werden wir unsere Zusammenarbeit mit Branchenpartnern fortsetzen, um den Aufbau von Recyclingsystemen für Textilien zu unterstützen.
1 Textile Exchange bezeichnet diese als Fasern, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Pflanzen oder landwirtschaftlichen Abfällen hergestellt werden, wobei Verfahren zum Einsatz kommen, die die Umweltbelastung während des gesamten Lebenszyklus minimieren.