ESRS 2 Allgemeine Angaben
E4-1 – Übergangsplan und Berücksichtigung von biologischer Vielfalt und Ökosystemen in Strategie und Geschäftsmodell
Das Management der Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit auf die biologische Vielfalt und die Ökosysteme entlang der Wertschöpfungskette ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit im Bereich der Nachhaltigkeit. Wir orientieren uns zu diesem Zweck an ganzheitlichen Rahmenwerken wie den ,Science-Based Targets for Nature' von SBTN und dem ,Accountability Framework', um unseren Ansatz zu lenken: bewerten, reduzieren und wiederherstellen.
Während wir Transparenz über die Standorte und Geschäftsaktivitäten unserer Tier-1-, Tier-2- und einen Teil der Tier-3-Zulieferer haben, sind Informationen zur Herkunft von Rohstoffen (von Zulieferern in Tier 4 und darüber hinaus) nicht in systematischer und geprüfter Form verfügbar. Da die vom Menschen verursachte Entwaldung der größte Treiber für den Verlust der terrestrischen biologischen Vielfalt weltweit1 ist, konzentrieren wir uns in den kommenden Jahren vorrangig auf entwaldungsfreie Beschaffungsketten.
Gleichzeitig verstehen wir, dass die Erhaltung, Bewahrung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt eine komplexe Herausforderung darstellt, die einen systemischen Wandel und eine enge Zusammenarbeit zwischen vielen verschiedenen Akteuren, darunter Zulieferer, Zertifizierer, Innovatoren, NGOs und Branchenkollegen, erfordert. Als Unterzeichner von The Fashion Pact und Mitglied mehrerer Arbeitsgruppen der Branche haben wir uns zur Festlegung konkreter Zielsetzungen und Aktionspläne verpflichtet, um unsere Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu verringern, und setzen uns in verschiedenen Foren für das Thema ein. Dazu gehört auch die Förderung von Innovationen, die adidas als wichtige Impulsgeber für systemischen Wandel ansieht.
Die biologische Vielfalt wird auch durch Programme zur Wassereffizienz, Wasserqualität und zum Chemikalienmanagement mit Tier-1- und Tier-2-Zulieferern adressiert. SIEHE ESRS E2 – UMWELTVERSCHMUTZUNG SIEHE ESRS E3 – WASSER- UND MEERESRESSOURCEN
Biodiversitätsbewertung 2025
adidas ist sich seiner Abhängigkeit von einem zuverlässigen und kosteneffektiven Zugang zu Ökosystemdienstleistungen bewusst, erkennt aber gleichzeitig auch seine Auswirkungen auf Ökosysteme und deren Bereitstellung verschiedener Ökosystemdienstleistungen an. Diese indirekten oder direkten Auswirkungen, ob positiv oder negativ, wurden 2025 in der von adidas durchgeführten SBTN-Analyse2 der Abhängigkeiten und Auswirkungen berücksichtigt. Zur Durchführung der Analyse wurde ENCORE eingesetzt, ein spezielles Tool für biologische Vielfalt und Bewertungen im Zusammenhang mit Naturkapital. Die Analyse ergab, dass die größten Abhängigkeiten und Auswirkungen mit der Struktur und der biotischen Integrität in Verbindung stehen, gefolgt von Wasser und Atmosphäre. Dies hängt mit der Abhängigkeit unserer Geschäftstätigkeit von Rohstoffen sowie regulierenden und aufrechterhaltenden Dienstleistungen in Bezug auf Wasser zusammen, aber auch mit dem Druck auf die physische Struktur und die Zusammensetzung verschiedener Ökosysteme, wie z.B. Klima, Niederschlagsmuster und bodenregulierende Dienstleistungen. Tier- und Pflanzenarten als natürliches Kapital erwiesen sich als wichtige Faktoren in unserer vorgelagerten Wertschöpfungskette aufgrund ihrer Ökosystemdienstleistungen, wie die Beseitigung fester Abfälle, die biologische Schädlingsbekämpfung und die Bestäubung von Blüten. Im Zusammenhang mit diesen Ökosystemdienstleistungen ist es von größter Wichtigkeit, die Relevanz möglicher lokaler Auswirkungen zu verstehen. Aus diesem Grund hat adidas eine detailliertere Bewertung der biologischen Vielfalt durchgeführt, bei der die Nähe zu Gebieten mit schutzbedürftiger Biodiversität als Schlüsselkriterium berücksichtigt wurde.
Insgesamt haben die Analyse der Abhängigkeiten und Auswirkungen im Bereich der Biodiversität sowie die Analyse der Biodiversitätsrisiken und die Bewertung der Auswirkungen der Nähe zu Biodiversitätsgebieten gezeigt, dass die entsprechenden Abhängigkeiten, Auswirkungen und Risiken, wie in ESRS 2 IRO-1 und in der Tabelle SBM-3 Biologische Vielfalt und Ökosysteme und wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) beschrieben, in der vorgelagerten Wertschöpfungskette stärker ausgeprägt sind und für adidas ab 2030 (langfristiger Zeitrahmen) an Bedeutung gewinnen werden. Aufgrund unseres Geschäftsmodells und unserer Agilität und Flexibilität in Bezug auf Design, Materialauswahl und Beschaffungsstandorte, die alle mit unserer vorgelagerten Wertschöpfungskette verbunden sind, betrachten wir unsere Strategie kurz- und mittelfristig dennoch als ausreichend resilient. SIEHE ESRS 2 – IRO-1 – Beschreibung des Verfahrens zur Ermittlung und Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen
Umfang und grundlegende Annahmen
Unsere Analyse der Abhängigkeiten und Auswirkungen im Bereich der Biodiversität hat das aktuelle Geschäftsmodell und die Wertschöpfungskette von adidas einbezogen und deckt die wichtigsten Fertigungsprozesse ab, die von unseren direkten Zulieferern verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise die Fertigung von Schuhen und Bekleidung in Tier 1 und die Aktivitäten im Zusammenhang mit unseren indirekten Zulieferern, wie die Ledergerbereien, Spinnereien und Webereien in Tier 3, die Teil unserer vorgelagerten Wertschöpfungskette sind. Unsere eigenen operativen Standorte (Verwaltungsgebäude und Distributionszentren) wurden im Rahmen der Analyse ebenfalls betrachtet. Zur Bewertung wurden das ENCORE-Tool und Modelle der Lebenszyklusanalyse herangezogen, basierend auf der Art der in unserer Wertschöpfungskette ausgeführten wirtschaftlichen Aktivitäten (unter Verwendung der International Standard Industrial Classification of All Economic Activities [ISIC] Codes), insbesondere unter Berücksichtigung der Nutzung natürlicher und synthetischer Materialien in den Produkten von adidas.
Um unsere Analyse zu optimieren, haben wir auch Aspekte hinsichtlich Biodiversität aus der Klimarisikobewertung einbezogen. Dabei geht es hauptsächlich um die Effekte von Veränderungen im Wettergeschehen und dem damit verbundenen Risiko für die zukünftige Beschaffung wichtiger, natürlicher Materialien wie Baumwolle, Leder und Kautschuk und um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit dieser Materialien. Bei dieser Risikobewertung haben wir keine zukünftigen potenziellen Änderungen unserer Vermögenswerte, Beschaffungsstandorte und unseres Materialportfolios berücksichtigt. Im Sinne eines konservativen Ansatzes haben wir weiterhin keine technologiegetriebenen Ertragsverbesserungen bei der Rohstoffproduktion angenommen.
Da die Biodiversitätsrisiken in der Regel lokal auftreten, haben wir außerdem eine Bewertung der Biodiversität durchgeführt, bei der im Jahr 2025 die Nähe der Betriebe von ausgewählten Tier-1- und Tier-2-Zulieferern (vorläufige Bewertungen) und unserer eigenen Standorte zu Gebieten mit schutzbedürftiger Biodiversität berücksichtigt wurde. Zur Durchführung haben wir das Tool zur integrierten Bewertung der Biodiversität (IBAT) von BirdLife International angewandt. Die Eingabevariablen waren der Standort des Betriebs (Breitengrad/Längengrad), die jeweiligen Aktivitäten (z.B. Verwaltungsstandort, Distributionszentrum) und ein Abstandspuffer zu schutzbedürftigen Gebieten, entsprechend den an jedem Standort durchgeführten Wirtschaftsaktivitäten. Es wurden zwei Arten von aggregierten Gebieten mit schutzbedürftiger Biodiversität verwendet: Schutzgebiete und Biodiversitätsschwerpunktgebiete, wie von der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) bzw. BirdLife International definiert.3
Für unsere Analyse der Abhängigkeiten und Auswirkungen im Bereich der Biodiversität sowie unsere Analyse der Klima- und Biodiversitätsrisiken wurden die Zeiträume zugrunde gelegt, die auch im Risikomanagementsystem des Unternehmens definiert sind: kurzfristig (ein Jahr), mittelfristig (zwei bis fünf Jahre), langfristig (über sechs Jahre). Bei der Bewertung der Auswirkungen der Nähe zu Biodiversitätsgebieten wurde ein kurzfristiger Zeitraum (ein Jahr) berücksichtigt.
Beteiligte Stakeholder
Interne Stakeholder aus verschiedenen Abteilungen (z.B. Enterprise Risk Management, Workplaces, Sustainability and ESG, Investor Relations, Product Development & Sourcing) wurden formell in die Bewertung der Resilienz unseres Geschäftsmodells in Bezug auf Klima- und Biodiversitätsrisiken einbezogen. Darüber hinaus stehen unsere internen Expert*innen in informellem Rahmen in regelmäßigem Kontakt mit externen Stakeholdern (z.B. auf Konferenzen, in Meetings und Arbeitsgruppen), sodass ihre Ansichten indirekt in unsere internen Bewertungen einfließen. Zu diesen externen Stakeholdern gehören Organisationen wie der World Wide Fund for Nature (WWF), Canopy Planet, Textile Exchange, Organic Cotton Accelerator (OCA) und die Leather Working Group (LWG) sowie andere Unternehmen in derselben Wertschöpfungskette, Partner und lokale Landwirt*innen (aus Brasilien, Australien, Vietnam, den USA, Pakistan und der Türkei).
SBM-3 – Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell
Wesentliches Thema |
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Wesentliche IROs |
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Einstufung |
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Zeithorizont |
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Wertschöpfungskette |
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Beschreibung |
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Klimawandel |
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Negative Auswirkung |
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Tatsächlich |
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n.a. |
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Vorgelagert |
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Die Auswirkungen des Klimawandels wirken sich negativ auf die biologische Vielfalt und die Ökosystemdienstleistungen aus. Unsere gesamten Treibhausgasemissionen (in ESRS E1 Klimawandel offengelegt) tragen zu diesem Effekt bei. |
Landnutzungsänderungen, Süßwasser- und Meeresnutzungsänderungen |
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Negative Auswirkung |
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Tatsächlich |
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n.a. |
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Vorgelagert |
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Die verstärkte Nutzung von aus der Natur gewonnenen Materialien oder die Verwendung nicht zertifizierter Materialien durch adidas führt, in schwerwiegenden Fällen, zu Landnutzungsänderungen (z.B. durch Entwaldung und/oder schlecht gemanagte landwirtschaftliche Praktiken). |
Landnutzungsänderungen, Süßwasser- und Meeresnutzungsänderungen |
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Risiko |
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n.a. |
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Langfristig |
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Vorgelagert |
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Für adidas könnte das Risiko im Zusammenhang mit Landnutzungsänderungen mit Folgendem in Verbindung stehen:
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Auswirkungen auf das Ausmaß und den Zustand von Ökosystemen |
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Negative Auswirkung |
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Tatsächlich |
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n.a. |
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Vorgelagert |
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Konventionelle landwirtschaftliche Praktiken können zu Landnutzungsänderungen und -verschlechterungen führen, wenn sie nicht umweltgerecht durchgeführt werden. Dies wiederum wirkt sich negativ auf bestimmte Ökosysteme aus, indem die Anzahl und Vielfalt ihrer Arten verringert wird und Boden- und Wasserressourcen erschöpft werden. |
Auswirkungen auf das Ausmaß und den Zustand von Ökosystemen |
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Negative Auswirkung |
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Tatsächlich |
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n.a. |
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Vorgelagert |
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Landnutzungsänderungen und konventionelle landwirtschaftliche Praktiken wirken sich, wenn sie nicht umweltgerecht durchgeführt werden, negativ auf die Ökosystemdienstleistungen und auch auf die lokalen Communitys aus. Die Abhängigkeit von Ökosystemdienstleistungen geht bei adidas über die Ressourcennutzung hinaus und umfasst auch die Wasserversorgung für unsere Prozesse in der Beschaffungskette und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien für unsere Zulieferer. |
Auswirkungen auf und Abhängigkeiten von Ökosystemdienstleistungen |
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Risiko |
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n.a. |
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Langfristig |
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Vorgelagert |
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Für adidas könnte das Risiko im Zusammenhang mit Auswirkungen auf und Abhängigkeiten von Ökosystemdienstleistungen mit Folgendem in Verbindung stehen:
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Im Jahr 2025 ergab unsere lokale Umweltverträglichkeitsprüfung keine wesentlichen Auswirkungen auf die nahegelegene biologische Vielfalt und Risiken im Zusammenhang mit unseren eigenen Standorten (eigene und geleaste Bürogebäude und Distributionszentren unter unserer operativen Kontrolle). Im Rahmen der lokalen Umweltverträglichkeitsprüfung wurden neun Standorte (mit einer Fläche von 56,6 ha) identifiziert, die sich in oder in der Nähe von Gebieten mit schutzbedürftiger Biodiversität befinden. Das Ergebnis fiel im Jahr 2024 identisch aus. Aufgrund des Standorts, des nationalen Kontexts, der Art der Geschäftstätigkeit und der bereits im Rahmen des integrierten Managementsystems bestehenden Umweltmanagementpraktiken wirken sich die potenziellen Auswirkungen der Aktivitäten an den Standorten nicht wesentlich auf das jeweilige Gebiet aus, da sie weder eine Verschlechterung von natürlichen Lebensräumen oder von Lebensräumen von Arten noch eine Störung von Arten, für die ein Schutzgebiet ausgewiesen wurde, nach sich ziehen. Darüber hinaus hat adidas keine direkten Geschäftstätigkeiten, die sich auf bedrohte Arten auswirken, einschließlich Flora und Fauna, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Europäischen Union oder der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources)4 aufgeführt sind. Bei unserer Bewertung für das Jahr 2025 haben wir keine negativen Auswirkungen unserer eigenen Standorte auf die Bodenbiodiversität festgestellt, abgesehen von denjenigen, die bereits mit dem ursprünglichen Bau der Bürogebäude und Vertriebszentren verbunden waren. Darüber hinaus gab es im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderungen hinsichtlich der Standorte unserer Betriebsstätten, was darauf hindeutet, dass unsere Aktivitäten keine neuen Risiken für die Bodengesundheit oder lokale Ökosysteme mit sich gebracht haben. Wir verpflichten uns weiterhin zu einer kontinuierlichen Überwachung, um sicherzustellen, dass unsere Aktivitäten auch in Zukunft nicht zur Bodendegradation oder einem Verlust der biologischen Vielfalt beitragen. Aufgrund der Komplexität der Aktivitäten unserer Zulieferer werden die Bewertungen der Auswirkungen auf die biologische Vielfalt durch unsere Tier-1- und Tier-2-Zulieferer zu einem späteren Zeitpunkt weiter analysiert und mit einer Wasserrisikobewertung kombiniert.
2 Für die verschiedenen Schritte von SBTN wurden unterschiedliche Tools eingesetzt. ENCORE und Modelle der Lebenszyklusanalyse kamen in Schritt 1 ‚Bewerten‘ von SBTN zum Einsatz.
3 Schutzgebiete können Nationalparks und vergleichbare Reservate sein, die aus wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Gründen sowie als Gebiete für die zukünftige Erhaltung von Fauna und Flora und geologischen Strukturen in ihrem natürlichen Zustand als wertvoll erachtet werden. Biodiversitätsschwerpunktgebiete sind Gebiete, die wesentlich zur globalen Erhaltung der Biodiversität (in terrestrischen, Süßwasser- und Meeresökosystemen) beitragen und eines oder mehrere von elf Kriterien erfüllen, die in fünf Kategorien unterteilt sind: bedrohte Biodiversität, geografisch begrenzte Biodiversität, ökologische Integrität, biologische Prozesse und Unersetzlichkeit.